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After Effects Beta: Das beste Feature ist der neue AI Assistent

After Effects

Adobe hat After Effects einen AI Assistenten eingebaut, der nicht erklärt, sondern arbeitet. Ein Praxistest: eine weisse Kontur um eine freigestellte Person – vier Minuten, 27 Werkzeug-Aufrufe, kein Eingreifen nötig. Und die Klarstellung, warum die Objektmaske keine Beta-Neuheit ist.

After Effects AI Assistent

Ein Praxistest von Roman Lehmann

Das Wichtigste in Kürze

Überall ist von den «neuen Features» der After Effects Beta die Rede. Ich habe sie mir installiert, und mein Fazit vorweg: Das meiste davon ist entweder gar nicht neu oder Feinschliff. Die Objektmaske? Seit April im regulären Programm. Das Effekteinstellungsfenster? Sieht etwas frischer aus, nichts Weltbewegendes. Eine Sache aber ist wirklich anders, und sie ist die eigentliche Story: Adobe hat After Effects einen AI Assistenten eingebaut, der nicht erklärt, sondern arbeitet.

Was der Assistent ist, und was Adobe selbst dazu sagt

Der Assistent kam am 6. August 2026 mit Beta-Build 7 und öffnet sich über das Symbol in der Kopfleiste oder über «Fenster > Assistent». Anders als ein Hilfe-Chat greift er direkt in dein Projekt: Er liest Ebenen und Effekte aus, legt neue an, setzt Parameter und schreibt Expressions. Adobe formuliert in der Ankündigung im Beta-Forum erfrischend ehrlich, wo die Grenzen liegen: Der Assistent soll den Künstler nicht ersetzen, sondern die lästige Arbeit übernehmen, Expressions reparieren, ein chaotisches Projekt umbenennen und farblich sortieren, Text-Ebenen auf Tippfehler prüfen. Die meiste Entwicklungszeit steckte Adobe in zwei Bereiche: Projekt-Organisation und Expressions. Wer ihn darüber hinaus einsetzt, tut das laut Adobe «mit wechselndem Erfolg».

Drei Details aus der Ankündigung, die mir wichtig sind: Erstens sieht der Assistent dein Bild, ein Vision-Werkzeug kann einen einzelnen Screenshot eines einzelnen Frames anschauen, nur wenn er es braucht; wer unter Geheimhaltung arbeitet, soll sich den Einsatz laut Adobe gut überlegen. Zweitens trainiert Adobe nicht mit deinen Inhalten; Chat-Verläufe werden nur vorübergehend zur Fehleranalyse gespeichert. Drittens ist die Beta gratis, inklusive der Bild- und Videogenerierung über Firefly, mit einem Tageslimit und einer Wochenschwelle. Was der Assistent in der fertigen Version kostet, sagt Adobe noch nicht.

Mein Test: eine weisse Kontur um eine freigestellte Person

Ich habe ihm keine Aufräumaufgabe gegeben, sondern etwas aus dem Alltag: In einer Lower-Third-Komposition steht Jens Klingenmann, DTM-Fahrer bei BMW, per Objektmaske freigestellt vor schwarzem Hintergrund. Mein Prompt, wörtlich: «erstelle eine weisse Kontur um die Maske des ausgewählten Layers (maskiert)». Für einen Motion Designer ist das Routine, Ebene duplizieren, Matte aufblasen, weiss füllen, unter das Original legen. Aber die Ebene hat keine klassische Vektormaske; sie wird über den Effekt «Objektmaske» freigestellt. Genau das macht die Aufgabe für eine KI interessant. Was folgt, konnte ich im Denkprotokoll des Assistenten Schritt für Schritt mitlesen.

Das Assistent-Panel in After Effects mit der Aufgabe «weisse Kontur um die Maske» und aufgeklappten Werkzeug-Aufrufen, darunter die Suche nach einem Fill-Effekt.
Die Aufgabe im Assistenten. Jeder Werkzeug-Aufruf lässt sich aufklappen, hier die Suche nach einem «Fill»-Effekt, die nur ein Drittanbieter-Plugin fand.

Schritt 1: Er schaut nach, womit er es zu tun hat

Der Assistent liest zuerst die ausgewählte Ebene aus, und stellt fest, was ich ihm nicht gesagt hatte: Die Ebene hat keine Maske im klassischen Sinn. Sie wird über den Effekt «Objektmaske» freigestellt, intern der Roto-Pinsel, der eine Alpha-Silhouette liefert statt eines Vektorpfads. Aus seinem Denkprotokoll, übersetzt: Es gebe keinen Pfad, den man nachzeichnen könne; die Standardtechnik sei, die Ebene zu duplizieren, das Duplikat weiss zu füllen, dessen Alpha leicht zu vergrössern und es unter das Original zu legen, damit die Kontur rundherum hervorschaut. Genau so würde ich es auch machen. Er prüft noch, ob der Roto-Pinsel einen versteckten Pfad speichert, findet keinen, und entscheidet bewusst, nicht nachzufragen, sondern «den sinnvollen Standardweg» zu gehen.

Schritt 2: Er kämpft mit der deutschen Oberfläche

Dann beginnt der mühsame Teil. Der Assistent sucht in der Effektliste nach «Fill» und findet nur ein Drittanbieter-Plugin. «Choker»: nichts. «ADBE Fill», die interne Kennung: nichts. «Kontur» liefert den gleichnamigen Effekt, der aber einen Maskenpfad braucht. Er erwägt einen Ebenenstil und verwirft ihn, weil der über seine Werkzeuge nicht erreichbar ist. «Alpha», «Stroke», «Matte», «Füllung», «Farbe», «Ausfüllen», «Fläche», erst die zwölfte Suchanfrage, «Füllen», bringt den nativen Fill-Effekt zutage, und «Matte vergrössern/verkleinern» entpuppt sich als der gesuchte Simple Choker. Sein eigener Kommentar dazu: seltsam, dass der native Fill-Effekt nicht auftauche, die Suche greife offenbar auf die lokalisierten Namen statt auf die internen Kennungen. Das ist keine Schwäche des Modells, sondern des Werkzeugs, das Adobe ihm gibt: Eine deutsche Installation kostet den Assistenten ein Dutzend Suchanfragen extra.

Schritt 3: Er baut, und prüft sich selbst

Der Bau ist Routine: Ebene duplizieren, «Weisse Kontur» nennen, die Farbkorrektur auf dem Duplikat deaktivieren, Choker und Füllen anhängen, Farbe auf Weiss, Ebene unter das Original schieben. Vorher inspiziert er die Eigenschaftspfade und fragt sich, ob der Farbwert als 0 bis 1 oder 0 bis 255 erwartet wird. Dann rendert er einen Frame und schaut hin.

Zwischennotiz des Assistenten: Duplikat-Ebene «Weisse Kontur» mit Choker und Fill angelegt, Render zeigt noch keine sichtbare Kontur, prüfe genauer mit Zoom auf die Person.
Der Assistent protokolliert seinen Plan, ausdrücklich «falls der Kontext gekürzt wird», und stellt selbst fest, dass die Kontur im Render noch nicht sichtbar ist.

Mit dem Startwert −4 ist keine Kontur zu sehen. Er zoomt auf die Person, sieht immer noch nichts, stellt zwei Hypothesen auf, Wert zu klein, oder das Duplikat liegt exakt hinter dem Original, und testet mit −30: Die Kontur erscheint, ist ihm aber zu dick. Er geht auf −10 zurück, wieder nichts sichtbar. Das irritiert ihn kurz, er prüft die Ebenenreihenfolge, verwirft die Theorie, zoomt enger und landet schliesslich beim Mittelwert −18. Rund vier Minuten nach dem Prompt steht die Kontur, 27 Werkzeug-Aufrufe später, ohne dass ich ein einziges Mal eingreifen musste.

After Effects Beta: freigestellte Person mit weisser Kontur in der Komposition, links die Effekteinstellungen mit Matte vergrössern/verkleinern Faktor −30 und Füllen weiss.
Zwischenstand mit Faktor −30: Die Kontur ist da, aber zu dick, der Assistent stellte sie danach selbst auf −18 zurück.

Ist er clever vorgegangen?

Ja, und zwar auf eine Art, die mich mehr überzeugt als ein Treffer im ersten Anlauf. Vier Dinge hat er richtig gemacht: Er hat diagnostiziert statt geraten (Alpha-Silhouette statt Pfad). Er kannte die richtige Technik und hat die falschen Wege, Kontur-Effekt, Ebenenstil, begründet verworfen. Er hat entschieden, statt zurückzufragen. Und er hat sein Ergebnis angeschaut und korrigiert, bis es stimmte. Das ist das Vorgehen eines guten Juniors mit Handbuch: methodisch sauber, aber langsam und bei den Zahlen tastend. Ein erfahrener Motion Designer stellt die Konturstärke nach Augenmass ein und ist nach einer Minute fertig; der Assistent brauchte vier Werte und vier Minuten. Dass er bei −10 nichts sah, führt er selbst auf die weichen Kanten der Objektmaske zurück, ebenso gut kann es die Auflösung seines Vorschaubilds sein, denn sein Auge ist ein kleiner Screenshot.

Genau daraus folgt, für wen sich das lohnt. Für Profis ist der Assistent bei so einer Aufgabe langsamer als die eigenen Hände. Für Einsteiger ist er der Unterschied zwischen vier Minuten Zuschauen und einer halben Stunde Recherche, welcher Effekt, welche Reihenfolge, welches Vorzeichen beim Choker. Und für alle dazwischen ist es das erste Mal, dass man in After Effects einem Assistenten beim Denken zusehen kann. Deshalb ist er für mich das beste Feature dieser Beta, mit Abstand.

Was sonst in der Beta steckt, und was nur so aussieht

Adobes eigene Beta-Übersicht (Stand 14. August 2026) nennt sechs Top-Funktionen: Ebenen per Alt-/Wahltaste-Ziehen direkt in der Komposition duplizieren (2D und 3D), Ankerpunkte über das Eigenschaften-Bedienfeld schnell festlegen, das modernisierte Effekteinstellungsfenster auf neuem Framework mit Symbol-Steuerelementen, Farbkennzeichnungen für einzelne Effekt-Instanzen, neue Hilfslinien mit prozentbasierter Positionierung und Kantenfixierung, und Festplatten-Caching für die Objektmaske, das propagierte Ergebnisse auch nach dem Schliessen des Projekts behält. Dazu kommt laut Adobes Beta-Forum der neue Effekt «Contour Paint» (Beta 27.0, Build 6), der Footage entlang der Bildkanten verschmiert.

Das modernisierte Effekteinstellungsfenster der After Effects Beta mit Lumetri-Farbe und Kameralinsen-Weichzeichner.
Das modernisierte Effekteinstellungsfenster: aufgeräumter, symbolbasiert, aber nichts, was den Arbeitsalltag verändert.

Und die Objektmaske? Sie wird gern als Beta-Neuheit verkauft, ist aber seit After Effects 26.2 vom April 2026 im regulären Programm und hat dort den Roto-Pinsel abgelöst. Ich habe sie in der Beta ausprobiert: Sie sieht exakt gleich aus wie in der 2026er-Version. Neu ist nur das Festplatten-Caching für ihre Ergebnisse.

After Effects Beta mit dem Effekt Objektmaske Version 4.0: eine freigestellte Person vor schwarzem Hintergrund, links die Effekteinstellungen.
Die Objektmaske in der Beta, Version 4.0, identisch mit dem regulären After Effects 26.

So installierst du die Beta

Die Adobe Creative-Cloud-Desktop-App zeigt den Bereich «Beta» mit der After Effects Beta und weiteren Apps wie Photoshop, Illustrator, Premiere und Project Neo.
Creative-Cloud-App im Beta-Reiter: After Effects (Beta) lässt sich hier direkt installieren.

Die Beta läuft als eigene App neben deiner regulären Version, mit eigenen Voreinstellungen, deine Installation und deine Projekte bleiben unberührt. Installation: Creative-Cloud-Desktop-App öffnen, links «Apps», Reiter «Beta», bei «After Effects (Beta)» auf «Installieren». Voraussetzung ist ein Abo, das After Effects enthält; die Beta kostet nichts extra. Ein Einzel-Abo für After Effects kostet in der Schweiz laut Adobes Preisseite CHF 25.95 pro Monat. Den Assistenten findest du danach über «Fenster > Assistent».

Zwei Vorbehalte: Eine Beta ist eine Beta, Adobe weist im Forum auf mögliche Sitzungsprobleme hin, und wer mit Dynamic Link zwischen Premiere Pro und einer neueren Beta arbeitet, kann nach einem Bericht aus dem Adobe-Forum «Medien offline» sehen. Für Projekte mit fixer Deadline bleibt die reguläre Version die sichere Wahl.

FAQ

Ist der AI Assistent in After Effects 2026 enthalten?

Nein. Er ist bislang nur in der Beta verfügbar, ab Build 7 vom 6. August 2026. Einen Termin für die reguläre Version nennt Adobe nicht.

Kostet der Assistent etwas?

In der Beta nichts, inklusive Firefly-Generierung, mit einem Tageslimit und einer Wochenschwelle. Einen Preis für die fertige Version hat Adobe noch nicht genannt.

Ist die Objektmaske neu in der Beta?

Nein. Sie ist seit After Effects 26.2 (April 2026) im regulären Programm. Neu in der Beta ist das Festplatten-Caching für ihre Ergebnisse.

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