Schluss mit XML-Chaos: CornerCut überträgt Premiere-Pro-Projekte direkt nach DaVinci Resolve
CornerCut konvertiert Premiere Pro nach DaVinci Resolve – nativ von .prproj nach .drp, ohne den berüchtigten XML-Umweg. Speed Ramps, Keyframes und Audio-Automation bleiben dabei erhalten.
Was CornerCut tut – und warum das ein echter Unterschied ist
Ein neues Browser-Tool namens CornerCut verspricht, eines der hartnäckigsten Probleme im Post-Production-Alltag zu lösen: Premiere Pro nach DaVinci Resolve konvertieren – ohne den üblichen XML- oder AAF-Umweg. CornerCut liest die native Premiere-Projektdatei (.prproj) direkt ein und schreibt daraus ein vollständiges DaVinci-Resolve-Projekt (.drp) – ohne Zwischenformat, ohne Datenverlust durch schlechte Interpretation.
Gebaut wurde das Tool von Editor und Entwickler Sasha Sibley. Die Idee dahinter ist denkbar einfach: Wenn beide Applikationen proprietäre Formate nutzen, warum nicht direkt von einer Sprache in die andere übersetzen? CornerCut tut genau das – es analysiert den Premiere-Timeline-Aufbau und rekonstruiert ihn nativ in Resolve, anstatt auf einen universellen, aber unvollständigen Austauschstandard zu setzen.
Aktuell ist CornerCut kostenlos in der Beta-Phase über cornercut.com verfügbar. Nach einer kostenlosen Registrierung lässt sich die Konvertierung direkt im Browser anstoßen.
Warum XML beim NLE-Transfer regelmässig versagt
XML war nie als präzises Austauschformat für moderne Videoschnitt-Applikationen gedacht. Es handelt sich um einen allgemeinen Datenaustauschstandard, der schlicht nicht mit den proprietären Eigenheiten von Adobe Premiere Pro und DaVinci Resolve mithalten kann. In der Praxis bedeutet das: Komplexe Speed Ramps landen falsch, Audio-Automation geht verloren, Bezier-Kurven auf Transform-Keyframes werden vereinfacht oder ganz ignoriert.
Conform-Artists und Editoren kennen das Ritual: nach dem XML-Import folgt oft eine stundenlange manuelle Nachkorrektur, bevor die eigentliche Farbkorrektur überhaupt beginnen kann. Auf Community-Plattformen beschreiben Editoren, dass bei grösseren Projekten 50 bis 60 Prozent aller Clips nach einem XML-Transfer falsch in der Timeline platziert sind. Manche geben den XML-Workflow ganz auf und exportieren stattdessen einen Flat-Render, den sie in Resolve per «Find Edit»-Funktion wieder aufteilen – ein Workaround, der selbst Stunden kostet.
«CornerCut was born out of a very specific, industry-wide frustration: the heartbreak of losing crucial timeline data, like complex time remaps, audio automation, and bezier transforms, every time you migrate a project between non-linear editing systems. For too long, video editors and conform artists have accepted broken XML transfers and hours of manual rebuilding as just ‚part of the job.’»
— Sasha Sibley, Entwickler von CornerCut
Was CornerCut überträgt – und was noch nicht
CornerCut deckt die kritischsten Timeline-Elemente ab, die bei XML-Transfers regelmässig verloren gehen. Laut der aktuellen Beta-Version werden folgende Daten übertragen:
| Kategorie | Übertragene Elemente |
|---|---|
| Video | Clip-Farben, Time Remapping (Speed Ramps), Transform-Keyframes, Video-Transitions, Marker |
| Audio | Clip-Volume & Pan-Automation, Track-Automation, Audio-Transitions, Audio-Effekte |
| Projekt | Auswahl einzelner Timelines, Bin-/Ordnerstruktur |
Derzeit unterstützt CornerCut ausschliesslich DaVinci Resolve 20 als Zielformat. Resolve 19 und Resolve 18 sind als «Coming Soon» markiert. Die Konvertierung läuft einseitig: Premiere Pro → DaVinci Resolve.
Bekannte Einschränkungen betreffen bespoke Plugins, gemischte Frame-Rates und gemischte Auflösungen innerhalb eines Projekts. Bei Speed Ramps existieren noch einzelne Edge-Case-Abweichungen: Premiere Pro und DaVinci Resolve verwenden unterschiedliche Frame-Timing-Mathematik für Time Remapping, weshalb CornerCut eine eigene Frame-Resolution-Logik implementiert hat – residuale Drift-Fehler in Sonderfällen sind jedoch noch nicht vollständig eliminiert.
Wie die Konvertierung von Premiere Pro nach Resolve funktioniert
CornerCut verwendet keinen Zwischenstandard, sondern liest das native .prproj-Format direkt ein. Statt eine XML-Datei zu exportieren und darauf zu hoffen, dass Resolve sie korrekt interpretiert, analysiert das Tool den Premiere-Aufbau mit einem eigenen Parser und schreibt das Ergebnis als natives .drp-Projekt.
Die Browser-Oberfläche ist bewusst schlicht gehalten: Projektdatei per Drag-and-Drop hochladen, Timelines auswählen, Zielversion wählen (aktuell nur Resolve 20), einzelne Übertragungs-Parameter aktivieren oder deaktivieren – dann konvertieren, herunterladen, in Resolve öffnen. Ein Conversion-Log gibt Auskunft darüber, was übertragen wurde und wo Einschränkungen aufgetreten sind.
Roadmap: Welche NLE-Paare als Nächstes kommen
Sibley hat gegenüber RedShark News konkrete Pläne skizziert. Die Umkehrrichtung – DaVinci Resolve → Premiere Pro – sei wahrscheinlich als Nächstes dran, da die meiste Logik lediglich invertiert werden müsse; er schätzte einen Vorlauf von mindestens einem bis zwei Monaten. Darüber hinaus nennt er zwei weitere geplante Konvertierungspaare:
- Avid Media Composer → DaVinci Resolve: Konvertierung vom Avid-Format direkt in Resolve-Projekte.
- Premiere Pro → Baselight: Auf besonders starkes Community-Interesse gestossen.
Preislich hat Sibley noch keine Entscheidung getroffen. «Haven’t decided on pricing yet. Right now, I’m super focused on making the software as robust as possible», schreibt er. Solange die Beta läuft, ist der Dienst kostenlos zugänglich.
Einordnung: Wo CornerCut in den Post-Pipeline-Alltag passt
CornerCut adressiert einen sehr spezifischen, aber weit verbreiteten Schmerzpunkt: den Handoff zwischen Offline-Edit und Colour-Finishing. In vielen professionellen Workflows wird in Premiere Pro geschnitten – weil Kunden oder Redaktionen es verlangen, weil der Offline-Edit in einem laufenden Projekt bereits begonnen hat, oder schlicht aus Gewohnheit – und in DaVinci Resolve finalisiert und koloriert. Genau diesen Übergang macht CornerCut robuster.
Das Tool ist kein Ersatz für einen vollständigen NLE-Wechsel und löst keine Probleme mit proprietären Effekten oder herstellerspezifischen Plugins. Für den typischen Conform-Workflow – sauberer Schnitt mit Standard-Transitions, Speed Ramps und Audio-Automation übergeben – liefert es jedoch einen direkteren und verlässlicheren Weg als der bisherige XML-Standard. Der Entwickler sucht aktiv nach realen Projekten, um die Software weiter zu härten; wer einen solchen Workflow produktiv betreibt, kann durch den Beta-Test direkt zur Weiterentwicklung beitragen.
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