DaVinci Resolve 21.2: Was das Update im Schnittalltag ändert
Resolve 21.2 bringt Multicam- und Compound-Clip-Verbesserungen, Quell-Timecode im extrahierten Ton, Gen-6-LUTs und Touch fürs neue MacBook Pro. Für wen sich das Update lohnt.
Am 4. November hat Blackmagic DaVinci Resolve 21.2 veröffentlicht, gut eine Woche nach 21.1.2 vom 27. Oktober. Auf dem Papier ist das ein Punkt-Update, in der Praxis ein Paket für alle, die täglich schneiden: Multicam und Compound Clips lassen sich anders öffnen und bauen, extrahierter Ton behält seinen Timecode, und dazu kommen Gen-6-LUTs für Blackmagic-Kameras sowie Touch-Unterstützung für das neue MacBook Pro, das ab 6. November erhältlich ist. Wer mitten in einem Projekt steckt, muss nicht sofort umsteigen. Wer mit Multicam oder externem Ton arbeitet, sollte sich die Liste ansehen.
Schnitt: Multicam, Compound Clips und Edit Points
Der Grossteil der Neuerungen in diesem Update steckt im Edit-Bereich, und er besteht aus vielen kleinen Handgriffen statt aus einem Schlagerfeature:
- Multicam: Multicam-Clips öffnen sich jetzt als Quell-Clips in Quell-Timelines. «Open in Timeline with Source Viewer» funktioniert nun auch mit Clips und Multicams.
- Edit Points: Es gibt eine Menüaktion samt Shortcut, um die zuletzt aktiven Edit Points wiederherzustellen. Die Marquee-Auswahl mit Cmd oder Ctrl übernimmt den zuletzt verwendeten Edit-Point-Typ. Schon 21.1.2 hatte die Auswahl von Edit Points überarbeitet, 21.2 setzt da fort.
- Compound Clips: «Convert in out to compound clip» ersetzt die Clips an Ort und Stelle. Für das Erstellen eines Compound Clips aus einem In-Out-Bereich gibt es eine eigene Kontextaktion.
- Conform Lock: Mehrere Timeline-Clips lassen sich auf einen einzigen Media-Pool-Clip konformieren und sperren.
- Kleinkram mit Wirkung: Die Option «Stop playback» gilt jetzt auch für Playhead-Nudges und Mausklicks, und die Optionen im Edit-Menü bleiben nach einem Reset des UI-Layouts erhalten.
Ich würde diese Liste nicht überbewerten: Nichts davon verändert, wie du schneidest, aber vieles spart Klicks, die sich über einen Drehtag mit Multicam summieren. Wer Resolve sauber lernen will, findet im DaVinci Resolve Kurs den Weg vom Media Pool bis zum Export. Wie sich der Schnittalltag schon mit dem letzten grossen Release verändert hat, habe ich im Juni in der Übersicht zu den Resolve-21-Features eingeordnet.
Ton: Bleibt der Timecode beim Audio-Export erhalten?
Ja, extrahierter Ton behält in 21.2 seinen Quell-Timecode, und daneben räumt das Update mehrere Audio-Baustellen ab, die im Alltag nerven können.
Extrahierte Audiodateien behalten jetzt den Quell-Timecode. Dass extrahierte Audiodateien jetzt den Quell-Timecode behalten, finde ich praktisch, denn ich nutze Timecode zum Synchronisieren bei Multicam oder externem Ton und vor allem, um echte Geschehnisse festzuhalten und mich an der Echtzeit zu orientieren.
- Falsche Kanalreihenfolge bei WAV-Dateien mit iXML-Spuren, wie sie Feldrekorder und Funkmikrofon-Empfänger schreiben, ist behoben.
- Der AAF-Import verliert keine Clips mehr, und der Audio-Timecode von AAF mit Interlaced-Material stimmt wieder.
- Audioprobleme bei bestimmten MXF-Clips auf Netzlaufwerken und langsame reine MP3-Renders sind korrigiert.
- Die Wahl des Audio-Eingabegeräts springt nach einem Neustart nicht mehr zurück.
Diese Korrekturen betreffen vor allem, wer mit Audio aus anderen Projekten oder externen Rekordern arbeitet, wie ich bereits bei den RAW- und HDR-Fixes in Resolve 21.0.1 beschrieben habe.
Farbe: Was ändert sich mit den Gen-6-LUTs?
Mit 21.2 unterstützt Resolve die LUTs der Blackmagic Generation 6 Color Science, die vor allem für Nutzerinnen und Nutzer von Blackmagic-Kameras und BRAW-Material relevant sind. Den Hintergrund liefert 21.1: Dort kam Gen 6 als Decoding-Option für Blackmagic-RAW-Dateien dazu, auch für bestehendes Material. Der Ausgangspunkt der Bildverarbeitung wechselt von Blackmagic Film Wide Gamut zu DaVinci Wide Gamut, was laut Blackmagic natürlichere Hauttöne und bessere Farbwiedergabe in hellen Bildpartien bringt. Erst danach wandeln 3D-LUTs ins Zielformat um, etwa Rec. 709, Rec. 2020 oder P3/PQ. Clips, die mit Gen 5 gedreht wurden, lassen sich in Resolve nach Gen 6 konvertieren, damit Material aus verschiedenen Drehs einheitlich bleibt.
Relevant ist das vor allem, wenn du mit Blackmagic-Kameras oder BRAW-Material arbeitest. Die ResolveFX False Color unterstützt jetzt Gen 5 und Gen 6, allerdings nur in Studio. Ausserdem sind in 21.2 ACES-2.0-Artefakte unter Windows und Linux behoben, und Sony-XAVC-Long-GOP-MXF-Renders zeigen keine Artefakte mehr.
Touch und Tempo auf dem neuen MacBook Pro

21.2 unterstützt die Touchscreens des MacBook Pro mit PROLED XDR Display. Es ist der erste Mac mit Touch; Apple nennt DaVinci Resolve unter den Apps, die davon profitieren, und macOS übersetzt Berührungen bei anderen Apps automatisch in Klicks. Das 14- und das 16-Zoll-Modell mit M5 Pro oder M5 Max kommen am 6. November in den Handel. Der Touch-Support im Update betrifft also nur dieses Gerät; viele Schnitt-, Ton- und Farbverbesserungen sind dagegen plattformübergreifend verfügbar.
Zusätzlich nennt Blackmagic bis zu fünfmal schnelleres Effekt-Rendering auf M5 Pro und M5 Max. Das ist eine Herstellerangabe zum Rendern von Effekten auf diesen beiden Chips; eine pauschale Aussage über alle Aufgaben lässt sich daraus nicht ableiten. Unter macOS 27 sind ausserdem Netzwerkpfade mit Akzentzeichen wie «é» repariert.
Studio, Grafik und Untertitel
In der Studio-Version verbessert 21.2 die AI-Assistenten bei Farbe und Fusion. Sie können benötigte Extras für erweiterte Funktionen selbst herunterladen und Einzelbilder exportieren oder Thumbnails als Raster ordnen. Hinzu kommen Verbesserungen an der Scripting-API. Wichtig für Free-Nutzer: Python-Skripting läuft seit 21.1 nur noch in Studio, mit der Begründung von Blackmagic, dass die API genutzt wurde, um Studio-Funktionen in die kostenlose Version zu holen. Wer Skripte einsetzt, prüft das vor dem Update.
Dass sich Resolve zu einem kompletten Werkzeug entwickelt hat, finde ich bemerkenswert, besonders bei den Editing- und Audio-Tools, und es gibt es kostenlos oder als Einmalzahlung für die Studio-Version. Die Abo-Struktur von Adobe empfinde ich dagegen nicht mehr als zeitgemäss, und ich verstehe, dass vielen die Abos zu teuer sind. Blackmagic hat Studio für eine begrenzte Zeit mit 20 Prozent Rabatt bei Fachhändlern aufgelegt, die Aktion läuft bis zum 20. November.
Bei Grafik und Text bessert 21.2 einiges nach: OGraf-Templates laden wieder aus Netzwerk- und gezippten Pfaden, OGraf-Render-Timeouts und Speicherprobleme sind behoben, fehlende Text+-Inspector-Steuerelemente in älteren Projekten tauchen wieder auf. Für Untertitel zählt die Korrektur bei kursiv gesetztem Text in importierten TTML-Dateien. In Fusion Studio zeigt der OGraf-Inspector jetzt bis zu 35 Template-Eigenschaften. Auch H.265 profitiert: Blinkende Media-Offline-Frames bei einzelnen Clips sind behoben.
Soll ich updaten?
Mitten in einer laufenden Produktion lohnt sich das Update nur, wenn ein konkreter Fix dein Problem löst – sonst wartest du besser auf eine ruhige Phase. Mein Vorgehen: Sichere die Project Library, bevor du eine neue Version öffnest, denn ein aktualisiertes Projekt lässt sich nicht ohne Weiteres in der alten Version weiterbearbeiten. Mitten in einer Produktion installierst du nur, wenn ein Fix genau dein Problem löst, etwa iXML-Kanalreihenfolge, AAF-Import oder H.265-Aussetzer. Sonst wartest du auf eine ruhige Phase und probierst die Version erst an einer Projektkopie. Blackmagic führt die Release Notes für Free und Studio getrennt, lies die zu deiner Edition.
An meiner Grundhaltung ändert 21.2 nichts: Meine Empfehlung bleibt meistens DaVinci Resolve, ausser jemand arbeitet im Team und braucht Vorlagen für Motion-Graphic-Templates nach festen CI-Vorgaben; die lassen sich in Resolve nur mühsam bauen, und im Corporate-Bereich hat Adobe da bis heute die Nase vorn.
FAQ
Kostet das Update 21.2 etwas?
Nein, der Download ist kostenlos und kommt über das Blackmagic Support Center. Funktionen wie ResolveFX False Color oder die AI-Assistenten-Neuerungen setzen allerdings die Studio-Lizenz voraus.
Brauche ich das neue MacBook Pro für 21.2?
Nein, nur die Touch-Unterstützung betrifft das MacBook Pro mit PROLED XDR Display. Die Schnitt-, Ton- und Farbneuerungen sowie die Fehlerkorrekturen gelten auch auf anderen Macs, unter Windows und Linux, soweit sie nicht ausdrücklich an macOS 27 oder Windows gebunden sind.
Willst du DaVinci Resolve beherrschen?
Unsere DaVinci-Resolve-Kurse decken Schnitt und Color Grading auf Studio-Niveau ab.
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