Hollyland Astra P1 im Test: Die neue PTZ-Kamera für grosse Venues und Live-Produktionen
Ab 4. Juni 2026 ist die Hollyland Astra P1 PTZ-Kamera für 1.839 CHF (≈ 1.985 €) erhältlich – mit 4K60, 30x Optikzoom, NDI|HX3 und KI-Tracking. Wir haben die Specs analysiert und verglichen.
Die Hollyland Astra P1 ist eine 4K-PTZ-Kamera, mit der das Shenzhen-Unternehmen seit dem 4. Juni 2026 ernsthaft den PTZ-Kameramarkt betritt – zu einem Einstiegspreis von 1.839 CHF (≈ 1.985 €). Hollyland ist bislang vor allem für Funk-Übertragungssysteme und Intercom-Lösungen bekannt; die Astra P1 PTZ-Kamera zielt direkt auf einen Markt, der von PTZOptics, BirdDog und Panasonic bislang dominiert wird: Kirchen, Auditorien, Vortragsräume und grosse Live-Event-Venues, wo ein einzelner Operator mehrere Kameras betreiben muss.
Was ist eine PTZ-Kamera – und warum ist das Segment gerade relevant?
PTZ steht für Pan-Tilt-Zoom: Die Kamera lässt sich ferngesteuert horizontal (Pan) und vertikal (Tilt) schwenken und zoomt optisch. In Produktionsumgebungen, wo keine Kamerafrau oder kein Kameramann permanent an jeder Kamera steht – Kirchenproduktionen, Konferenzsäle, Universitäten, Theaterübertragungen – sind PTZ-Kameras Standard. Das Segment wächst stark, weil IP-basierte Workflows (Stichwort NDI) den Kabelsalat erheblich reduzieren: Strom und Signal über ein einziges Ethernet-Kabel per PoE+.
Hollyland hat diese Verschiebung offensichtlich früh erkannt und die Astra P1 von Grund auf für IP-basierte Multi-Kamera-Setups konzipiert – mit NDI|HX3 ohne versteckte Lizenzkosten als Kernfeature.
Hollyland Astra P1: Technische Specs im Überblick
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| Sensor | 1/1.8″ CMOS, 8.42 Megapixel (16:9) |
| Max. Auflösung | UHD 4K (3840×2160) @ 60 fps |
| Optischer Zoom | 30× (f = 7.1 mm – 210 mm) |
| Digitaler Zoom | 16× |
| Blende | F1.61 – F5.19 |
| Mindestbeleuchtung | 0,5 Lux (F1.8, AGC ein) |
| Horizontales Sichtfeld | 59,2° (wide) – 2,5° (tele) |
| Pan-Bereich / Geschwindigkeit | ±170° / 1,7°–100°/s |
| Tilt-Bereich / Geschwindigkeit | −30° bis +90° / 1,7°–69,9°/s |
| Preset-Positionen | 255 (Genauigkeit: 0,1°) |
| Videoausgänge | 1× HDMI 2.0, 1× 3G-SDI |
| Netzwerk | RJ45 1000M, NDI|HX3, RTSP, RTMP(S), SRT, H.264/H.265/MJPEG |
| Audio I/O | 3,5 mm Line-in / Line-out |
| Sonstige I/O | RS485, RS232, USB 2.0 (Type-A), USB 3.0 (Type-B) |
| Stromversorgung | DC 12V (JEITA) / PoE+ |
| SNR | ≥55 dB |
| Garantie | 5 Jahre |
| Preis (UVP) | 1.839 CHF (≈ 1.985 €) |
Die wichtigsten USPs der Astra P1
1. NDI|HX3 ohne Lizenzgebühren
Das ist der wohl grösste Knackpunkt im PTZ-Markt: Viele Hersteller verlangen für NDI-Unterstützung eine separate Lizenzaktivierung, einen Account oder Wartezeiten. Hollyland verspricht hier explizit «no backend login, no serial number entry, no waiting period, no hidden fees». Die Kamera integriert sich direkt mit vMix, OBS, Blackmagic ATEM und anderen NDI-kompatiblen Switcher-Plattformen – out of the box.
2. Face Detection AE
Die Astra P1 setzt den Belichtungsanker direkt auf erkannte Gesichter – statt wie klassische PTZ-Kameras die Belichtung anhand des Gesamtbildes zu berechnen. Das reduziert Fehlbelichtungen, wenn Moderatoren von einem beleuchteten Podium in dunklere Zonen wechseln oder umgekehrt.
3. Zweistufiges KI-Tracking
Die Kamera bietet zwei Tracking-Modi: Presenter Tracking verfolgt Personen anhand von Körperhaltung und Bewegungslogik, unterscheidet Hauptsubjekt von Hintergrundpersonen. Zone Tracking erlaubt, bis zu vier definierte Bereiche im Raum festzulegen – die Kamera führt automatische, sanfte Schwenks durch, wenn das Ziel zwischen den Zonen wechselt. Für Kirchenproduktionen mit Bühne, Chor und Kanzel ein relevantes Feature.
4. Sensor-Grösse 1/1.8″
Im PTZ-Segment ist 1/1.8″ die verbreitetste «Mittelklasse»-Sensorgrösse, die einen guten Kompromiss zwischen Lichtstärke und Telereichweite ermöglicht. Bei 0,5 Lux Mindestbeleuchtung ist die Astra P1 für typische Kirchenräume und Konferenzsäle ausreichend ausgerüstet – auch wenn sie an grössere 1″-Sensoren (Panasonic AW-UE150) in kritischem Low-Light nicht heranreicht.
5. Browser-basierte Steuerung (Web Control)
Ohne zusätzliche Software: Jeder Browser reicht, um Pan, Tilt, Zoom und weitere Einstellungen zu bedienen. Hollyland positioniert das explizit für Venues mit wenig technischem Personal – Freiwillige, Studierende oder Freelancer sollen die Kamera ohne Spezialtraining bedienen können.
6. Einzelkabel-Deployment
NDI|HX3 und PoE+ über ein einzelnes Ethernet-Kabel: Strom und Signal kommen aus der gleichen Strippe. In Venues mit bestehender Netzwerkinfrastruktur bedeutet das erheblich weniger Verkabelungsaufwand als traditionelle PTZ-Setups mit separaten Video- und Stromkabeln.
Schwächen und offene Fragen
Ehrlichkeit ist geboten: Die Astra P1 ist nagelneu auf dem Markt (seit 4. Juni 2026), und unabhängige Langzeittests liegen bislang nicht vor. Einige Punkte sind dennoch sachlich festzuhalten:
- 3G-SDI statt 12G-SDI: Der SDI-Ausgang unterstützt nur 3G-SDI (maximal 1080p60 oder 1080i). Das 4K-Signal läuft ausschliesslich über HDMI 2.0 oder NDI|HX3. Wer in einem SDI-basierten 4K-Workflow arbeitet, bekommt keinen nativen 4K-SDI-Ausgang.
- NDI|HX3 vs. volles NDI: HX3 ist ein komprimiertes Format. Es ist bandbreiteneffizienter als volles NDI, aber latenz- und qualitätsmässig nicht identisch. Wer die maximale NDI-Qualität ohne Kompression braucht, muss zu dedizierter NDI-Hardware greifen.
- Neuer Hersteller im Kamerasegment: Hollyland hat Erfahrung mit Übertragungssystemen, Mikrofonen und Intercoms – aber keinen langjährigen Track-Record speziell im PTZ-Kamerasegment. Wie Firmware-Updates, Langzeitstabilität und Support ausfallen, bleibt abzuwarten.
- Kein NDAA-Compliance-Nachweis: Im US-Markt ist NDAA-Konformität (keine chinesische Hardware in Bundeseinrichtungen) ein Kaufkriterium. PTZOptics wirbt explizit mit NDAA-Compliance – bei Hollyland fehlt dieser Hinweis in den öffentlichen Unterlagen.
- Kein 1″-Sensor: Wer Panasonics AW-UE150/160-Bildqualität mit 1″-MOS-Sensor als Referenz hat, wird beim direkten Low-Light-Vergleich Unterschiede bemerken. Die Astra P1 spielt in einem anderen Preissegment, hat aber auch einen kleineren Sensor.
Konkurrenzvergleich: Astra P1 vs. PTZOptics Move 4K vs. BirdDog
| Eigenschaft | Hollyland Astra P1 | PTZOptics Move 4K (30x) | BirdDog X-Series |
|---|---|---|---|
| Sensor | 1/1.8″ CMOS | 1/1.8″ Sony CMOS | k.A. (je nach Modell) |
| Max. Auflösung | 4K60 (HDMI/NDI) | 4K60 (HDMI/NDI) | 4K (je nach Modell) |
| Optischer Zoom | 30× | 12× / 20× / 30× | verschieden |
| NDI-Unterstützung | NDI|HX3 (inkludiert) | NDI|HX3 (inkludiert) | Volles NDI + HX (inkludiert) |
| SDI-Ausgang | 3G-SDI | 3G-SDI | 3G-SDI |
| KI-Tracking | Ja (Presenter + Zone) | Ja | Ja (je nach Modell) |
| Face Detection AE | Ja | Nein (nicht angegeben) | Nein (nicht angegeben) |
| PoE+ | Ja | Ja | Ja |
| Garantie | 5 Jahre | k.A. | k.A. |
| Preis (30x-Version) | 1.839 CHF (≈ 1.985 €) | ca. 2.731 CHF (≈ 2.950 €) | ab ca. 1.104 CHF (≈ 1.192 €) |
Auf dem Papier ist die Astra P1 im 30x-Zoom-Segment günstiger als die vergleichbare PTZOptics Move 4K 30x. BirdDog positioniert sich mit vollem NDI (nicht nur HX3) als Premium-IP-Kamera und richtet sich an professionellere Netzwerkumgebungen; dafür liegen die Preise höher. Panasonic (AW-UE150/160) spielt mit 1″-Sensor und 12G-SDI in einer anderen Liga – preislich ab ca. 11.040 CHF (≈ 11.920 €) aufwärts.
Für wen ist die Astra P1 geeignet?
Hollyland adressiert klar definierte Einsatzorte: Kirchen und Gemeindehäuser mit beschränktem Operator-Budget, Hörsäle und Konferenzräume, Theaterbühnen und mittelgrosse Eventhallen sowie Mehrkamera-Setups in der Livestream-Produktion. Der Browser-basierte Web Control und die vereinfachte Einzelkabelinstallation zielen auf Venues, die keinen Vollzeit-Videotechniker beschäftigen können.
Wer dagegen in professionellen Broadcast-Studios mit SDI-4K-Routing, in hochkritischen Low-Light-Setups oder in Umgebungen mit strikten NDAA-Anforderungen arbeitet, sollte die etablierten Marken genauer prüfen.
Hollyland Astra P1: Preis und Verfügbarkeit
Die Hollyland Astra P1 ist seit dem 4. Juni 2026 offiziell verfügbar und kostet 1.839 CHF (≈ 1.985 €). Bezugsquelle ist der Hollyland Online-Shop sowie autorisierte Händler. Ob und wann Schweizer oder EU-Händler das Gerät listen, war zum Redaktionsschluss noch nicht offiziell kommuniziert – ein direkter Import ist aktuell die wahrscheinlichste Option für DACH.
Pro & Contra auf einen Blick
| Pro | Contra |
|---|---|
| 4K60 mit 30x Optikzoom zu wettbewerbsfähigem Preis | Kein 4K-SDI-Ausgang (nur 3G-SDI) |
| NDI|HX3 ohne versteckte Lizenzgebühren | NDI|HX3 ist komprimiert – kein volles NDI |
| Face Detection AE für dynamische Lichtsituationen | Hollyland neu im PTZ-Kamerasegment (kein langer Track-Record) |
| Zweistufiges KI-Tracking (Presenter + Zone) | 1/1.8″ Sensor – limitiert gegenüber 1″-Konkurrenzmodellen bei extremem Low-Light |
| Einfaches Single-Cable-Setup via PoE+ | NDAA-Compliance nicht kommuniziert |
| 5-Jahres-Garantie | Noch keine Langzeiterfahrungswerte verfügbar |
| Kompatibel mit OBS, vMix, Blackmagic | Verfügbarkeit für DACH-Händler zum Launch unklar |
Die Astra P1 ist ein solides Erstlingswerk im PTZ-Kamerasegment. Hollyland bringt Erfahrung aus dem IP-Videotransport mit und hat das Gerät konsequent auf den Wachstumsmarkt IP-basierter Live-Produktionen ausgerichtet. Für Teams, die mit beschränktem Budget eine 4K-PTZ-Kamera mit nativem NDI|HX3, KI-Tracking und Einzelkabelinstallation suchen, lohnt sich ein genauer Blick. Wer dagegen auf maximale SDI-Flexibilität, volles NDI oder langjährig bewährte Kameraqualität angewiesen ist, sollte PTZOptics, BirdDog oder Panasonic als Referenz hinzuziehen.
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