Suche

Sony A7S III

Kameratechnik,  Videoequipment

Die A7S III wurde komplett überarbeitet. Ich konnte eine Vorserien-Kamera 4 Tage ausprobieren. Hier findest du alles zur neuen Sony A7S III!

Die A7S III ist da! Sie wurde komplett neu entwickelt. Dies erklärt wohl auch, dass fünf Jahre seit dem Release der A7S II vergehen mussten – eine lange Zeit für Sony, sonst bekannt als Kameraherstellerin mit eher kurzen Update-Zyklen.
Ich konnte eine Vorserien-Kamera vor dem Release 4 Tage ausprobieren. Hier findest du alles zur Sony A7S III!

Der Test:
Ich durfte die Schauspielerin Simona Specker während der Proben auf der Freilichtbühne Rüthi besuchen. Dort spielt sie diesen Herbst die Hauptrolle „Anna Göldi“ in einem der grössten und best besuchten Freilichttheater der Schweiz.

Der Testfilm

Die Highlights

A7S III vs. A7S II

A7S IIIA7S II
SensorgrösseFull-Frame 35mmFull-Frame 35mm
Pixelzahl12.1 MP12.1 MP
SensortypExmor R CMOS (Backlight illuminated)Exmor CMOS
StabilisationIn-body 5-axis
digitale Stabilisation “active mode”
In-body 5-axis
Video FormateXAVC-S (H.264)
normal: 4K 100/50/25
S&Q: 4K 100fps
50/25/12/6/3/2/1fps

XAVC- HS (H.265)
Normal: 4k 100/50
S&Q: 4K 100fps
50/25/12/6/3/2/1fps

XAVC S-I (H.264)
Normal: 4k 50/25
S&Q: 100p
50/25/12/6/3/2/1fps
XAVC-S
4K 30p / FHD 100p
Dynamikumfang15+ Blenden12+ Blenden
Sampling4:2:2 10bit /All intra4:2:0 8bit 
HDMI output4k60p – 16 Bit RAW4K 4:2:2
Auto-Fokus Punkte759- Phase Detection AF Punkte und 425 Kontrast-Detektion AF Punkte169 Kontrast-Detektion AF Punkte
LCD1440k 3.0” vari angle Monitor1229K 3.0″
neigbarer Monitor
Sucher100% QXGA OLED
9440K 0.64 x
100% OLED
2360K 0.78x
Grösse (BxHxT)129x97x70127x94x48
Gewicht699 g (mit Akku)627 g (mit Akku)

Body

Der Body besteht wie die Vorgängerin aus Magnesium. Neu sind aber sämtliche Dichtungen spritzwasserdicht. Damit liegt die A7S III auf demselben Niveau wie die A7R IV und A9 II und bietet Schutz unter noch widrigeren Bedingungen.

Die Abdichtung liegt nun auf A9 II Level

Der Griff wurde grösser dimensioniert, die Kamera liegt nun besser in der Hand.

Sony genehmigt der A7S III einen grossen HDMI-Ausgang – sehr zu meiner Freude! Wenn auch der grosse Output nicht die stabilste Verbindung ist, dann bestimmt besser als ein Mini- oder Micro-Anschluss!

Sensor

Lichtstärke

Der Sensor wurde komplett überarbeitet. Die Anzahl Pixel bleibt wie bei der Vorgängerin 12 Megapixel. Die relativ kleine Auflösung ermöglicht aber grosse Fotodioden-Flächen, was besonders in Kombination mit dem rückbelichteten Sensorttyp eine spürbar höhere Lichtempfindlichkeit bringt. Auch im Vergleich zur bereits sehr lichtstarken punktet die A7S III mit deutlich besseren Farben und weniger Rauschen!

Meine Erfahrung:
Wir haben bewusst Teile der Proben aussen in der Dunkelheit aufgenommen. Einzig haben wir ein PavoTube mit 4% Leuchtkraft und ca. 5 Meter Distanz, sowie ein Aladdin 4×1 Fuss mit niedrigster Stufe eingesetzt, meist sogar indirekt via Hauswand.
Die Gesichter auf dem Set konnte man von blossem Auge kaum erkennen. Mit sagenhaften ISO 128’000 war das Luminanzlevel passend und das Rauschlevel deutlich tiefer als erwartet!
Fazit: Die A7S III ist in der Tat ein konkurrenzloses Lichtmonster und ein Restlichtverstärker!

Die Aufnahme des Monitors zeigt die Einstellungen der A7S III bei fast kompletter Dunkelheit mit ISO 128’000

Dynamikumfang

Der Dynamikumfang liegt gemäss Angaben von Sony bei 15 Blenden. Dies bringt enorme Möglichkeiten in der Post und gleichzeitig mehr Spielraum bei Fehlbelichtungen!

Aufnahme

Aufnahmedauer

Grundsätzlich gibt es keine Limitierung der Aufnahmelänge. Anders als bei vielen Systemkameras kannst du also so lange aufzeichnen, wie du willst oder die Karten voll sind.

Bit-Tiefe

Die A7S III zeichnet in 10 bit 4:2:2 auf und dies bis zu 4K 120fps. Dies ist aus meiner Sicht der grösste Fortschritt im Vergleich zur Vorgängerin. Durch die detailliertere Farbinformation hast du viel mehr Spielraum bei der Nachbearbeitung. Besonders Log-Formate profitieren von 10 bit in der Post.

Log-Formate

Um 15 Blenden Dynamikumfang aufzuzeichnen, steht S-Log2 oder S-Log3 zur Verfügung. Cool: Die A7S III eignet sich besonders auch als Zweitkamera neben der FX-9. Kontrast und Farben sind nämlich aufeinander abgestimmt.

Raw

Falls du auf eine interne Raw-Aufnahme gehofft hast, dann wirst du hier enttäuscht. Die Codecs, die zur Verfügung stehen, geben dir allerdings zusammen mit S-Log2 und S-Log3 einen guten Kompromiss aus Filegrösse, Handling in der Post und Bildinformation.

Big News: Via HDMI-Anschluss kannst du 16 bit Raw mit 4K bis zu 60 fps. Dieses Signal kannst du mit einem externen Rekorder / Monitor aufzeichnen, zum Beispiel mit einem Atomos Ninja V HDR.

Framerates

In der PAL-Einstellung sind bei 4K bis zu 100fps, in NTSC bis 120fps möglich. Diese hohen Framerates sind interessanterweise sowohl im S&Q-Modus wie im normalen Shooting-Modus möglich. Falls du in der Post direkt mit Slowmotion arbeiten willst, solltest du den S&Q-Modus wählen.

In Full HD sind bis zu 240 fps möglich.

Codecs

Du hast die Wahl zwischen verschiedenen Codecs:

Kurzum: Mit dieser Auswahl an modernen und bewährten Codecs sind eigentlich alle Drehsituationen abgedeckt!

Proxies

Nebst dem Hauptaufnahmeformat kannst du in der A7S III Proxies mit kleinerer Auflösung und reduzierter Datenrate aufzeichnen. Damit kannst du auch auf leistungsschwächeren Computern direkt mit dem Schnitt beginnen.

Dass Proxy-Aufnahmen in der A7S III möglich sind, zeigt deutlich, dass Sony sie als professionelle Videokamera konzipiert hat!

Meine Erfahrung:
In meinem Testdreh habe ich Proxies aufgezeichnet. Die Proxy-Clips waren allerdings kaum brauchbar, da die Farben ständig gewechselt haben.
Dieses Problem ist möglicherweise darauf zurückzuführen, dass ich mit einem Vorserienmodell getestet habe und einige Features noch nicht finalisiert waren.

Auto-Fokus

Der Auto-Fokus (AF) ist wohl die Technologie, die in den letzten Jahren die grössten Fortschritte im Videobereich gemacht hat. Sony verabreicht der A7S III nun einen hybriden Autofokus, der die Vorteile von Kontrast-basiertem Autofokus mit 425 Messpunkten (Genauigkeit) und Phasendetektion mit 759 Messpunkten (Schnelligkeit) vereint.

Meine Erfahrung
Die manuelle Schärfeführung ist besonders mit grossflächigen Sensoren eine immense Herausforderung. AF funktioniert auf der anderen Seite nur, wenn eine gewisse Priorisierungs-Intelligenz vorhanden ist, das Verhalten des AF manuell mitgesteuert und schliesslich die Reaktionsgeschwindigkeit im Menu angepasst werden kann.
In den AF der A7S III hatte ich in meinem Test schnell ein grosses Vertrauen. Auf dem Touch-Screen kann man das Objekt oder ein Gesicht antippen und es wird scharf gestellt. Der Touch-Screen wird damit zwangsläufig zu einem interaktiveren Bestandteil der Kamera. Mit eingestelltem Tracking verfolgt der AF ein Gesicht, oder ein Objekt. Bei einem Gesicht wird die Priorität richtigerweise auf die Augen gesetzt, wobei im Menü die Prio auf das nähere Auge eingestellt werden kann – und auch sollte. Wie schnell der AF auf einen dominanteren Bildinhalt reagiert und wie schnell die Fokus-Transition passieren soll, kann man im Menü einstellen. Die A7S III zeigt auf dem Display ein weisses Viereck an zur Bestätigung, wo der Fokus liegt.
Der AF funktionierte selbst bei extrem dunklen Szenen mit ISO 128’000 recht gut. In der Totale, als Simona direkt in die Kamera spricht, lag das weisse Viereck auf dem Auge, trotzdem waren die Aufnahmen leicht unscharf.
Fazit: Der AF lässt sich extrem vielseitig und exakt einsetzen, auch in dunklen Umgebungen. Bei fast kompletter Dunkelheit wird der AF aber ungenau und man sollte auf den manuellen Fokus umstellen.

Auto Fokus mit dem Touch-Screen in sehr dunkler Umgebung (ISO 128’000)

Stabilisation

Sony verwendet neu in der A7S III eine Kombination aus zwei Stabilisationsmethoden:

Alle Kamerahersteller scheinen nun verstanden zu haben, dass nur eine Kombination aus diesen Methoden unterschiedliche Drehszenarien abdecken kann.

In Kombination mit optisch stabilisierten Linsen ist in vielen Fällen eine noch bessere Performance möglich! Besonders bei langen Brennweiten ist eine 5-Achsen-Stabilisation nämlich nicht ausreichend!

Bei aktivierter digitalen Stabilisation – genannt Active Mode – wird das Bild übrigens um 10% gecroppt.

Belichtung

ND Filter

In der Videoproduktion belassen wir die Verschlusszeit bei 1/50 (bei 25fps) . Den Kameraleuten bleibt den Kameraleuten nichts anderes übrig, als mit ND-Filtern zu arbeiten.

Sony hat sich einen Namen gemacht mit ihren internen variablen ND-Filtern in FS5, FS7 Mk2. Leider fehlt dieses Feature in der A7S III und es ist jenes Feature, das ich am meisten vermisse!

Aufschraubbare ND-Filter sind deshalb ein Muss! Beachte, dass es unterschiedliche Filterdurchmesser (bzw. Adapterringe) und vor allem unterschiedliche Filterdichten gibt. Ich empfehle für Reportagen, einen ND-8-Filter zu verwenden. Dieser ermöglicht akzeptable Resultate in- und outdoor mit demselben Setup.

Ich bin kein Fan von aufschraubbaren variablen ND-Filtern. Selbst bei den besten und teuersten Varianten habe ich teils unbrauchbare Farbveränderungen erlebt, die mir zusätzliche Stunden in der Farbkorrektur beschert haben!

Ein neuer variabler ND-Filter – genannt Revoring – läuft zur Zeit als Kickstarter-Kampagne. Gemäss Philipp Bloom sind damit komplett farbneutrale Resultate möglich. Und: Der Filter kann an Objektive mit unterschiedlichen Durchmessern geklemmt werden. Seien wir gespannt!

Zum Glück liegt die Base Iso bei ISO 640 verhältnismässig tief. Sogar ISO 160 ist möglich bei Einsatz von SLog (dafür verliert man eine Blende Dynamikumfang). Dies entschärft die Situation mit den ND-Filtern etwas!

Shutter

Keine Regel ohne Ausnahme: Den Shutter, also die Verschlusszeit, müssen wir in gewissen Situationen ganz spezifisch einstellen. Seien es ältere LED Lampen oder Screens. Wollen wir solche Objekte flackerfrei abfilmen, können wir dies in der Regel nur über eine Feinanpassung der Verschlusszeit lösen. Leider kann man in der A7S III die Verschlusszeit nur sehr grob verändern. In speziellen Situationen wird man deshalb mit bewegenden Licht-Bändern oder Flackern leben müssen.

Rolling Shutter

Der Rolling Shutter wurde massiv reduziert. Endlich eine Systemkamera, bei der vertikale Linien in horizontalen Bewegungen nicht mehr sichtbar verzogen werden! Für viele professionelle Kameraleute ist diese Verbesserung essentiell, um sie professionell einzusetzen!

Hitzeentwicklung

In keiner meiner Tests hatte ich irgendwelche Probleme mit Überhitzung der Kamera.

Display

Das Display nun dreh- und neigbar! Dies hilft, um in den unterschiedlichsten Positionen zu drehen. Wer zum Beispiel eine Blackmagic Pocket Cinema Camera sein Eigen nennt, wird genau dieses Feature enorm vermissen. Problematisch ist hingegegen, dass bei eingestecktem Headset das Display praktisch nicht mehr gedreht werden kann.

Seit der Vorgängerin hat sich bezüglich der Dimension nichts verändert: Es bleibt bei 3 Zoll. Hingegen hat sich die Auflösung um ca. 10 % leicht verändert.

Da man gerade mit dem Auto-Fokus sehr oft mit dem Display interagiert, wünschte ich mir einen grösseren Display.

Sucher

Der Sucher ist eine kleine Revolution. Die Auflösung beträgt nun 9440K, dem Vierfachen der Vorgängerin. Mit einer Refreshrate von 120 fps fühlt es sich an, als ob man durch einen optischen Sucher schaut.

Das Menu wurde komplett neu gestaltet – übersichtlich und Nutzer-orientiert. Bei unklaren Menüpunkten kann man wie bei der Panasonic GH5 via Papierkorb-Taste eine Beschreibung der Funktion aufrufen. Well done!

Mit den Favoriten-Einträgen im Menu, den verschiedenen belegbaren Tasten auf dem Body und den personalisierbaren Funktionen, die mit der Function-Taste angezeigt werden, ist die Kamera gut auf die eigenen Bedürfnisse anpassbar.

Audio

Die A7S III verfügt über einen Stereo-Klinken-Eingang. Damit lassen sich ein Stereomikrofon oder zwei Mono-Mikrofone (mit Y-Adapter) anbringen. Wer professionelles Audio in der Kamera aufzeichnen möchte oder gar 4 Tonspuren benötigt, der greift auf den Sony XLR-K3M Adapter zurück. Dieser lässt sich via Hotshoe mit der Kamera verbinden. Ton in 4 Kanälen professionell intern in einem Body dieser Grösse aufzuzeichnen, ist keine Selbstverständlichkeit!

Der XLR-Adapter XLR-K3M macht eine professionelle Audioaufnahme möglich

Akku

Neu kommt der Akku NP-FZ100 zum Einsatz. Er verfügt über mehr als doppelt so viel Kapazität als der Vorgänger. Bei durchgehender Aufnahme in 4K kannst du von etwas mehr als 90 Minuten Aufnahmezeit ausgehen!

NP-FZ-100 Akku mit einer Kapazität von beachtlichen 2280 mAh

Aufzeichnungsmedien

Die A7S III verfügt über zwei Slots, die entweder mit altbekannten SDXC Karten oder ganz neuen CF express Typ-A Karten bestückt werden können. Der Vorteil der CF Express Karten sind die super schnellen Lese- und Schreibgeschwindigkeiten, die bei der höchsten Auflösung und Framerate (4K, 100fps, All-I) nötig sind. Mit über CHF 400.- UVP für eine 160GB Karte sind sie allerdings besonders bei Markteinführung eine Budgetposition, die beim Kauf der Kamera berücksichtigt werden muss!

CF express Karten im Typ A sind ebenso neu

Für alle anderen Aufnahmeeistellungen genügen SDXC-Karten (mindestens V90-Speedklasse). Ich empfehle die Sony Tough SD-Karte oder die SanDisk Extreme Pro. Hier lohnt es sich nicht, Geld zu sparen! Karten mit ungenügender Schreibgeschwindigkeit führen zu Drop-Frames, also Bildauslassungen!

Preis

Der Body kostet ca. CHF 4500.–.

Fazit

Die A7S III ist eine kompromisslose und erwachsene Videokamera. Sony hat die Kritik der Vorgängerin ernst genommen. Mit der 10bit Aufzeichnung ohne Zeitlimit, beeindruckendem Auto-Fokus, abgedichtetem Body und gut funktionierender Stabilisation ist sie parat für unzählige Drehsituationen. Mit entsprechenden Halterungen / Rigs kann ich sie mir auf Werbedrehs, Reportagen, Outdoor-Dokumentarfilme genauso vorstellen wie auch bei szenischen Produktionen.

Nebenbei glaube ich, dass die A7S III die beste Gimbalkamera für den Einpersonenbetrieb zur Zeit ist!

Vorheriger ArtikelPremiere Pro 14.2 Nächster ArtikelGeschwindigkeit verändern in Premiere Pro